
Entgegen der Annahme „schneller ist besser“ ist der Schlüssel zu einem optimierten Fettstoffwechsel nicht die Anstrengung, sondern die strategische Unterforderung.
- Läufe im mittleren Tempo („Grauzone“) sabotieren die Fettverbrennung, indem sie primär wertvolle Kohlenhydratspeicher leeren.
- Langsames, langes Laufen zwingt den Körper, seine „Fett-Motoren“ (Mitochondrien) zu entwickeln und effizienter zu nutzen.
Empfehlung: Bauen Sie mindestens einen langen, sehr langsamen Lauf pro Woche in Ihren Plan ein, bei dem Sie sich mühelos unterhalten können, um Ihren Körper zu einem wahren Fettverbrennungsexperten zu machen.
Sie schnüren die Laufschuhe, haben ein klares Ziel vor Augen – abnehmen – und geben bei jeder Einheit alles. Sie pushen das Tempo, denn logischerweise müsste mehr Anstrengung auch zu mehr verbrannten Kalorien und damit zu weniger Fett führen. Doch die Zahl auf der Waage bleibt hartnäckig stehen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Diese Frustration teilen viele ambitionierte Läufer. Der weit verbreitete Glaube, dass nur schweisstreibende, schnelle Läufe wirklich etwas bringen, ist einer der hartnäckigsten Mythen im Ausdauersport.
Man liest von Fettverbrennungspulsen, komplizierten Formeln und teuren Uhren, die den perfekten Bereich anzeigen sollen. Doch oft führt dieser Fokus auf Technologie und Intensität in die falsche Richtung. Statt den Körper zu einem effizienten Fettverbrenner zu erziehen, trainiert man ihn darauf, immer nur nach dem schnellen Zucker, den Kohlenhydraten, zu schreien. Aber was, wenn der wahre Schlüssel zur Optimierung des Fettstoffwechsels nicht in der maximalen Anstrengung, sondern in der klugen, strategischen Zurückhaltung liegt? Was, wenn langsamer laufen Sie nicht nur ausdauernder, sondern auch schlanker macht?
Dieser Artikel bricht mit dem Mythos „schneller ist besser“. Wir werden beleuchten, warum Ihr Körper bei einem gemütlichen Plausch-Tempo zu einer wahren Fettverbrennungsmaschine wird. Wir zeigen Ihnen, wie Sie auch ohne teure Technik erkennen, ob Sie richtig trainieren, und klären, ob der berühmte Nüchternlauf wirklich die Wunderwaffe ist. Bereiten Sie sich darauf vor, Ihr Training neu zu denken und Ihren Körper in einen effizienten metabolischen Hybridmotor zu verwandeln, der souverän zwischen Energiequellen umschalten kann.
In den folgenden Abschnitten finden Sie eine detaillierte Anleitung, wie Sie die typischen Trainingsfehler vermeiden und Ihren Fettstoffwechsel gezielt auf ein neues Level heben. Entdecken Sie die wissenschaftlichen Hintergründe und praktischen Tipps, die Ihr Lauftraining revolutionieren werden.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zum Fettstoffwechsel-Profi
- Warum verbrennt Ihr Körper im „Wohlfühltempo“ mehr Fett als beim Sprinten?
- Wie kontrollieren Sie ohne Pulsuhr, ob Sie noch im aeroben Bereich sind?
- Nüchtern laufen oder mit Frühstück: Was zwingt den Körper wirklich an die Reserven?
- Warum sabotieren Läufe im mittleren Tempo sowohl die Ausdauer als auch die Fettverbrennung?
- Wann sollten Sie die Dauer Ihrer langen Läufe steigern, um den Stoffwechsel weiter zu fordern?
- Warum sorgt chronischer Stress für Heisshunger auf Zucker und Fett?
- Beine hochlegen oder Auslaufen: Was beschleunigt den Laktatabbau nach dem Sprint wirklich?
- Berlin-Marathon: Wie meistern Sie die letzten 4 Wochen der Vorbereitung ohne Burnout?
Warum verbrennt Ihr Körper im „Wohlfühltempo“ mehr Fett als beim Sprinten?
Die Vorstellung, dass man sich für maximale Fettverbrennung bis an die Grenzen belasten muss, ist ein tief verankerter Irrglaube. In Wahrheit arbeitet Ihr Körper wie ein cleverer metabolischer Hybridmotor. Er hat zwei Haupttanks: einen kleinen, aber schnell zugänglichen für Kohlenhydrate (Glykogen) und einen riesigen für Fett. Bei hoher Intensität, wie einem Sprint, braucht der Körper sofort Energie. Dafür greift er auf den „Turbo“ zurück – den Kohlenhydrat-Tank. Dieser liefert schnell Energie, ist aber begrenzt und seine Verbrennung führt zur Bildung von Laktat.
Im langsamen, aeroben „Wohlfühltempo“ passiert das Gegenteil. Der Körper hat ausreichend Sauerstoff zur Verfügung, was die Bedingung dafür ist, den grossen Fett-Tank anzuzapfen. Die langkettigen Fettsäuremoleküle können nur mit Hilfe von Sauerstoff (aerob) in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, verbrannt werden. Durch gezieltes, langsames Training erziehen Sie Ihren Körper dazu, diesen Weg effizienter zu nutzen. Er baut mehr und grössere Mitochondrien auf und verbessert die Enzyme, die für den Fetttransport und die Fettverbrennung zuständig sind.
Diese Anpassung ist der Kern eines gut trainierten Fettstoffwechsels. Ein flexibler Stoffwechsel, so zeigt die aktuelle Forschung, agiert wie ein Hybridmotor, der je nach Anforderung souverän zwischen Glukose und Fett als Energiequelle umschaltet. Ein gut trainierter Ausdauersportler kann so seine wertvollen Glykogenspeicher für intensive Phasen oder den Endspurt schonen. Studien belegen, dass gezieltes Ausdauertraining die Fettflussrate um bis zu 90% steigern kann. Es geht also nicht darum, Kalorien im Training zu verbrennen, sondern den Körper so zu programmieren, dass er 24/7 ein besserer Fettverbrenner wird.
Wie kontrollieren Sie ohne Pulsuhr, ob Sie noch im aeroben Bereich sind?
Die Fixierung auf Herzfrequenzzonen und technische Gadgets kann leicht vom Wesentlichen ablenken: dem eigenen Körpergefühl. Ihr Körper ist der beste Coach, Sie müssen nur lernen, seine Signale richtig zu deuten. Anstatt sich von Pieptönen und Zahlen auf einer Uhr abhängig zu machen, können Sie mit einfachen, praxiserprobten Methoden feststellen, ob Sie sich im idealen aeroben Bereich für die Fettverbrennung befinden. Dieser Ansatz der strategischen Unterforderung fördert die Körperwahrnehmung und macht Sie zu einem mündigeren Athleten.
Die zuverlässigste Methode ist der Sprechtest. Wenn Sie während des Laufens in der Lage sind, sich in ganzen, flüssigen Sätzen zu unterhalten, ohne nach Luft zu schnappen, ist das ein exzellentes Zeichen für eine aerobe Belastung. Können Sie nur noch einzelne Wörter herauspressen, sind Sie bereits zu schnell und verbrennen primär Kohlenhydrate. Ein weiterer Indikator ist Ihre Atmung: Eine tiefe, rhythmische und kontrollierte Atmung deutet auf den richtigen Bereich hin, während kurzes, flaches Hecheln ein Alarmsignal für zu hohe Intensität ist.
Die Borg-Skala, ein Mass für das subjektive Belastungsempfinden (RPE), ist ein weiteres nützliches Werkzeug. Stellen Sie sich eine Skala von 6 (keine Anstrengung) bis 20 (maximale Anstrengung) vor. Der aerobe Bereich für die Grundlagenausdauer liegt typischerweise zwischen 11 („leicht“) und 13 („etwas anstrengend“). Sie spüren die Belastung, aber sie fühlt sich kontrollierbar und über eine lange Zeit aufrechtzuerhalten an.

Achten Sie auf diese einfachen, aber effektiven Signale. Sie geben Ihnen eine viel direktere und ehrlichere Rückmeldung über Ihren Stoffwechselzustand als jede Technologie. Indem Sie lernen, auf Ihren Körper zu hören, entwickeln Sie eine intuitive Kontrolle über Ihr Training.
Ihr Plan zur Auditierung der Körperwahrnehmung:
- Punkte des Kontakts: Identifizieren Sie alle Signale, die Ihr Körper sendet (Atmung, Sprechfähigkeit, Muskelgefühl, Wärme).
- Datensammlung: Führen Sie bei Ihrem nächsten Lauf bewusst einen Sprechtest durch und notieren Sie, bei welchem Gefühl Sie noch ganze Sätze sprechen konnten.
- Abgleich: Vergleichen Sie Ihr Gefühl mit den Werten der Borg-Skala (11-13). Passt Ihre Wahrnehmung zur Theorie?
- Emotionale Bewertung: Fühlt sich der Lauf anstrengend oder energetisierend an? Der aerobe Bereich sollte sich nachhaltig und nicht auslaugend anfühlen.
- Integrationsplan: Planen Sie Ihren nächsten langen Lauf bewusst so, dass Sie konstant im „Plaudertempo“ bleiben, unabhängig von der Pace auf der Uhr.
Nüchtern laufen oder mit Frühstück: Was zwingt den Körper wirklich an die Reserven?
Die Debatte um den Nüchternlauf ist unter Läufern so alt wie der Sport selbst. Die Logik dahinter ist verlockend: Wenn die Kohlenhydratspeicher über Nacht geleert wurden und der Insulinspiegel niedrig ist, müsste der Körper doch gezwungen sein, von Anfang an auf Fett zurückzugreifen. Und tatsächlich, in einem gewissen Rahmen, funktioniert es genau so. Ein Lauf vor dem Frühstück kann ein potenter Reiz sein, um die Enzyme des Fettstoffwechsels zu aktivieren und die Fähigkeit des Körpers zur Fettverbrennung zu verbessern.
Allerdings ist der Nüchternlauf kein Allheilmittel und birgt auch Risiken. Ohne „Treibstoff“ kann die Leistung einbrechen, das subjektive Anstrengungsempfinden steigt und bei zu langen oder intensiven Einheiten droht der Körper, wertvolle Muskelmasse zur Energiegewinnung heranzuziehen (Katabolismus). Studien bestätigen, dass ein guter Fettstoffwechsel den Fettabbau beim Fasten unterstützt, aber der Weg dorthin muss schrittweise erfolgen. Das „Train Low, Compete High“-Konzept bietet hier einen differenzierten Ansatz: Trainiere gezielt mit leeren Speichern, um die Anpassung zu maximieren, aber fülle die Speicher im Wettkampf, um maximale Leistung zu bringen.
Für die Praxis bedeutet das: Kurze, lockere Läufe bis zu 60 Minuten können gut nüchtern absolviert werden. Für längere Läufe im Grundlagenausdauerbereich empfiehlt sich eine kleine Mahlzeit, die reich an Proteinen und Fetten ist, aber arm an Kohlenhydraten. Ein Beispiel wäre Rührei mit Gemüse oder ein kleiner Becher Magerquark. Dies schützt die Muskulatur und hält den Insulinspiegel niedrig, sodass die Fettverbrennung kaum blockiert wird. Das klassische Läuferfrühstück mit Haferflocken und Banane hebt man sich besser für intensive Trainingstage oder Wettkämpfe auf.
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über verschiedene Frühstücksoptionen und deren Eignung, um den Fettstoffwechsel gezielt zu trainieren.
| Option | Vorteil | Nachteil | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Komplett nüchtern | Maximale Fettverbrennung, niedriger Insulinspiegel | Anfangs schwierig, Leistungseinbruch möglich | Kurze Läufe bis 60 Min |
| Magerquark + Beeren | Proteinschutz, moderater Blutzucker | Leichte Insulinreaktion | Mittellange Läufe 60-90 Min |
| Halbe Banane | Schnelle Energie | Blockiert Lipolyse teilweise | Nur bei Schwäche |
| Klassisches Frühstück | Volle Energie | Fettverbrennung stark reduziert | Vor intensivem Training |
Warum sabotieren Läufe im mittleren Tempo sowohl die Ausdauer als auch die Fettverbrennung?
Willkommen in der „Grauzone“, dem Trainingsbereich, in dem sich die meisten Hobbyläufer unbewusst am häufigsten aufhalten. Es ist dieses Tempo, das sich „angenehm anstrengend“ anfühlt – zu schnell, um wirklich entspannt zu sein, aber zu langsam für einen echten Temporeiz. Genau hier liegt die Falle: Dieses Training im mittleren Bereich, oft als „flotter Dauerlauf“ bezeichnet, ist bemerkenswert ineffizient, um spezifische Trainingsziele wie die Verbesserung der Grundlagenausdauer oder die Optimierung des Fettstoffwechsels zu erreichen.
Das Problem ist metabolischer Natur. In der Grauzone ist die Intensität hoch genug, dass der Körper einen signifikanten Anteil an Kohlenhydraten verbrennt, um den Energiebedarf zu decken. Experten der Deutschen Sporthochschule Köln formulieren es treffend:
Die Laktatbildungsrate ist bereits signifikant, aber noch nicht hoch genug, um die laktatverarbeitende Kapazität zu trainieren. Gleichzeitig ist die Belastungsdauer oft zu kurz, um die Mitochondrienbildung und den Fettstoffwechsel maximal zu stimulieren.
– Deutsche Sporthochschule Köln, Grundlagen des Ausdauertrainings
Man leert also seine wertvollen Glykogenspeicher, ohne einen maximalen Reiz für die Anpassung zu setzen. Die sportmedizinischen Daten zeigen, dass Glykogenspeicher mit etwa 2000 kcal begrenzt sind und bei hoher Leistung in 90-120 Minuten aufgebraucht werden können. Ein Lauf in der Grauzone „frisst“ diesen Speicher an, ohne die Fettverbrennung maximal zu trainieren. Man trainiert weder die Fähigkeit des Körpers, Laktat abzubauen und zu verwerten (wichtig für die Schnelligkeit), noch seine Fähigkeit, stundenlang auf Fettreserven zu laufen (wichtig für die Ausdauer). Man fällt quasi zwischen die Stühle.
Wann sollten Sie die Dauer Ihrer langen Läufe steigern, um den Stoffwechsel weiter zu fordern?
Der lange, langsame Lauf (LSD) ist das Herzstück des Fettstoffwechseltrainings. Doch um eine Stagnation zu vermeiden, muss der Trainingsreiz progressiv gesteigert werden. Einfach nur jede Woche weiter zu laufen, ist jedoch nicht der richtige Weg und führt oft zu Überlastung. Die Steigerung sollte nicht willkürlich, sondern als Reaktion auf die Anpassung Ihres Körpers erfolgen. Ihr Körper sendet klare Signale, wenn er für den nächsten Schritt bereit ist. Das Prinzip lautet: Erst anpassen, dann steigern.
Ein primärer Indikator für eine erfolgreiche Anpassung ist eine gesunkene Herzfrequenz bei gleichem Tempo auf Ihrer gewohnten langen Strecke. Wenn Ihr Puls für dieselbe Geschwindigkeit um 5-10 Schläge niedriger ist als noch vor einigen Wochen, hat Ihr Herz-Kreislauf-System sich verbessert. Gleichzeitig sollte die subjektive Anstrengung (RPE auf der Borg-Skala) bei gleicher Belastung um 1-2 Punkte gesunken sein. Der Lauf fühlt sich schlicht einfacher an. Weitere positive Zeichen sind eine schnellere Erholung (weniger als 24 Stunden) und das Ausbleiben von Muskelkater nach gewohnten Distanzen.
Wenn diese Indikatoren erfüllt sind, können Sie die Dauer Ihres langen Laufs moderat steigern, typischerweise um 10-15 Minuten oder 1-2 Kilometer pro Woche. Ein bewährter Rhythmus ist, die Belastung über drei Wochen hinweg zu steigern und dann eine Entlastungswoche mit reduziertem Umfang einzulegen, um dem Körper Zeit für die Superkompensation zu geben. Lange Einheiten ab 60 und bis zu 180 Minuten sind, je nach Ziel, ein- bis zweimal pro Woche der Goldstandard im Laufsport, um das Fundament für einen robusten Fettstoffwechsel zu legen.

Diese visuelle Metapher des Weges, der sich von rau zu glatt wandelt, symbolisiert perfekt den Trainingsprozess. Jeder langsame Lauf ist ein Schritt auf diesem Weg, der Ihren Stoffwechsel formt und Sie auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.
Warum sorgt chronischer Stress für Heisshunger auf Zucker und Fett?
Während wir uns auf Trainingspläne und Ernährungsstrategien konzentrieren, übersehen wir oft einen der grössten Saboteure des Fettstoffwechsels: chronischen Stress. Egal ob durch die Arbeit, private Sorgen oder sogar durch zu hartes Training verursacht – anhaltender Stress versetzt den Körper in einen permanenten Alarmzustand. Dies führt zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Kurzfristig ist Cortisol nützlich, da es Energie mobilisiert. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel haben jedoch verheerende Auswirkungen auf den Stoffwechsel.
Ein hoher Cortisolspiegel fördert die Insulinresistenz, was bedeutet, dass die Zellen schlechter auf Insulin ansprechen und der Blutzucker erhöht bleibt. Der Körper reagiert darauf, indem er noch mehr Insulin produziert, was wiederum die Fetteinlagerung, besonders im Bauchbereich, begünstigt. Gleichzeitig signalisiert das Gehirn unter Stress einen erhöhten Energiebedarf und schreit förmlich nach schneller, hochkalorischer Nahrung – dem klassischen „Comfort Food“, reich an Zucker und Fett. Dieser Teufelskreis aus Stress, Cortisol, Insulinresistenz und Heisshungerattacken macht das Abnehmen fast unmöglich, egal wie diszipliniert das Training ist.
Die Lösung liegt darin, den Kreislauf zu durchbrechen. Hier schliesst sich der Kreis zum aeroben Training. Langsame, lange Läufe im Wohlfühltempo sind nicht nur exzellent für den Fettstoffwechsel, sondern auch eine der effektivsten Methoden zum Stressabbau. Sie senken nachweislich den Cortisolspiegel und fördern die Ausschüttung von Endorphinen. Die Kombination von gezieltem Training und Stressmanagement ist der Schlüssel. Wie Experten von Fastenwandern in Berlin betonen, kann körperliche Aktivität in diesem niedrigen Intensitätsbereich, insbesondere im Fastenzustand, die metabolische Flexibilität erheblich verbessern.
Beine hochlegen oder Auslaufen: Was beschleunigt den Laktatabbau nach dem Sprint wirklich?
Nach einer intensiven Einheit, sei es ein Intervalltraining oder ein kurzer Sprint, brennen die Muskeln. Verantwortlich dafür ist Laktat, ein Stoffwechselprodukt, das bei der schnellen, anaeroben Energiegewinnung aus Kohlenhydraten entsteht. Ein häufiger Mythos besagt, dass man sich sofort hinsetzen und die Beine hochlegen sollte, um die Regeneration zu fördern. Doch physiologisch gesehen ist das Gegenteil der Fall, wenn es um den schnellen Abbau von Laktat geht.
Laktat ist kein Abfallprodukt, sondern ein wertvoller Energieträger. Der Körper ist in der Lage, Laktat wieder in Energie umzuwandeln – dies geschieht jedoch am effizientesten unter aeroben Bedingungen, also bei leichter Bewegung und ausreichender Sauerstoffzufuhr. Ein aktives Auslaufen, auch „Cool-down“ genannt, bei sehr niedriger Intensität (leichtes Traben oder Gehen) hält die Blutzirkulation aufrecht. Das sauerstoffreiche Blut wird weiterhin durch die beanspruchte Muskulatur gepumpt und hilft dabei, das Laktat abzutransportieren und in Herz, Leber und der weniger beanspruchten Muskulatur zu verstoffwechseln. Passives Erholen, also das abrupte Beenden der Belastung, stoppt diesen Prozess.
Ein Cool-down hat weitere Vorteile: Es hilft, die Herzfrequenz langsam zu normalisieren, Stresshormone wie Adrenalin abzubauen und beugt Kreislaufproblemen vor. Ein gut trainierter Fettstoffwechsel spielt auch hier eine Rolle, denn er ist ein Indikator für eine hohe aerobe Kapazität. Wie Experten betonen, können langkettige Fettsäuremoleküle ausschliesslich aerob verstoffwechselt werden, was den Fettstoffwechsel zu einem wichtigen Indikator für die aerobe Langzeitausdauer macht. Eine gute aerobe Basis beschleunigt also auch die Regeneration nach intensiven Einheiten.
Die folgende Tabelle vergleicht die Effekte verschiedener Regenerationsstrategien direkt nach dem Training.
| Methode | Physiologischer Effekt | Dauer | Intensität |
|---|---|---|---|
| Aktives Auslaufen | Herzfrequenz-Normalisierung, Stresshormon-Reduktion | 10-15 Min | RPE 8-10 |
| Passives Erholen | Schnelle HF-Senkung, keine Laktatverwertung | 20-30 Min | Ruhe |
| Wechselmethode | 5 Min aktiv + 10 Min passiv | 15 Min gesamt | Variabel |
| Stretching | Muskelentspannung, keine direkte Laktatwirkung | 10-15 Min | Sanft |
Das Wichtigste in Kürze
- Langsam schlägt schnell: Für die Fettverbrennung ist langsames Laufen im aeroben Bereich (Plaudertempo) effektiver als schnelles Laufen, da es den Körper lehrt, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen.
- Vermeiden Sie die „Grauzone“: Läufe im mittleren, „angenehm anstrengenden“ Tempo sind ineffizient. Sie leeren Kohlenhydratspeicher, ohne einen optimalen Trainingsreiz für Fettstoffwechsel oder Tempohärte zu setzen.
- Hören Sie auf Ihren Körper: Der Sprechtest und das subjektive Belastungsempfinden (Borg-Skala) sind zuverlässigere Indikatoren für den aeroben Bereich als jede Pulsuhr.
Berlin-Marathon: Wie meistern Sie die letzten 4 Wochen der Vorbereitung ohne Burnout?
Die letzten vier Wochen vor einem grossen Ziel wie dem Berlin-Marathon sind eine kritische Phase. Das monatelange, harte Training ist absolviert, die Form ist fast auf dem Höhepunkt. Doch genau jetzt lauert die grösste Gefahr: zu viel zu wollen. Ein Trainings-Burnout oder eine Verletzung in dieser Phase kann den Traum vom erfolgreichen Finish zunichtemachen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im sogenannten Tapering – der Kunst, das Training gezielt zurückzufahren, um am Wettkampftag maximal erholt und leistungsfähig zu sein.
Das Ziel des Taperings ist es, die Glykogenspeicher in der Muskulatur vollständig aufzufüllen (Superkompensation) und dem Körper Zeit zu geben, kleine Mikroverletzungen und Ermüdungserscheinungen auszukurieren. Dies bedeutet nicht, die Füsse hochzulegen, sondern den Trainingsumfang systematisch zu reduzieren, während die Intensität bei kurzen Einheiten beibehalten wird. Eine bewährte Methode ist die Reduzierung des wöchentlichen Kilometerumfangs um 25% in der dritten Woche, um 40-50% in der zweiten Woche und auf ein Minimum in der Marathonwoche selbst.
In dieser Phase wird auch der Fettstoffwechsel nochmals feinjustiert. Praxiserfahrungen, wie die von Läufern vor dem München Marathon, zeigen die Wirksamkeit von kombinierten Strategien. Bei den letzten langen Läufen wird der erste Teil ohne Nahrungsaufnahme absolviert, um den Fettstoffwechsel zu reizen, bevor im zweiten Teil mit Gels die Wettkampfverpflegung getestet wird. In der Marathonwoche selbst gilt: keine Experimente! Verwenden Sie nur bewährte Verpflegung und planen Sie Organisatorisches wie den Besuch der Marathon-EXPO frühzeitig, um Stress zu minimieren.
Ein strukturierter Plan für die letzten vier Wochen ist unerlässlich:
- Woche 4 vor Marathon: Absolvieren Sie Ihren letzten langen Lauf (ca. 30-32km), die restliche Trainingsintensität bleibt normal.
- Woche 3 vor Marathon: Reduzieren Sie den Gesamtumfang um ca. 25%, behalten Sie aber die Intensität bei kurzen Tempoläufen bei.
- Woche 2 vor Marathon: Reduzieren Sie den Umfang weiter auf 40-50% des Maximums. Kurze, knackige Intervalle helfen, die Spannung zu halten.
- Marathonwoche: Planen Sie maximal 2-3 sehr kurze, lockere Läufe (20-30 Min). Beginnen Sie ab Donnerstag mit der gezielten Kohlenhydratladephase.
Jetzt, da Sie die Mythen von der Realität trennen können, liegt es an Ihnen, diese Prinzipien anzuwenden. Beginnen Sie damit, Ihren nächsten Lauf bewusst langsamer zu gestalten und Ihren Körper als intelligenten Partner statt als zu bezwingenden Gegner zu betrachten. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zum wahren Fettstoffwechsel-Experten.