Veröffentlicht am März 15, 2024

Der Transfer von Fähigkeiten aus dem Sim-Racing auf die echte Rennstrecke ist enorm, aber er geschieht nicht automatisch. Der Erfolg hängt von der gezielten Programmierung des Muskelgedächtnisses und der Überwindung psychologischer Hürden ab.

  • Die grösste Übertragbarkeit liegt im Erlernen komplexer Bremstechniken (Trail-Braking) durch präzises Equipment wie Load-Cell-Pedale.
  • Die grösste Gefahr ist die „virtuelle Unsterblichkeit“: Die fehlende Angst im Simulator führt zu einer falschen Risikobewertung im echten Auto.

Empfehlung: Nutzen Sie den Simulator nicht nur zum Streckenlernen, sondern als gezieltes Werkzeug zum Aufbau von Muskelgedächtnis und mentaler Ausdauer, bevor Sie auf die echte Strecke gehen.

Als Motorsport-Instruktor höre ich die Frage ständig: „Ich bin im Simulator verdammt schnell. Macht mich das auch auf einer echten Rennstrecke wie dem Nürburgring schnell?“ Die Antwort ist ein klares „Ja, aber…“. Viele denken, der grösste Vorteil von Sim-Racing sei das blosse Auswendiglernen von Kurvenradien und Bremspunkten. Das ist zwar nützlich, aber es ist nur die Oberfläche. Es ist die Basis, auf der die wirkliche Magie passiert. Die meisten Hobbyfahrer übersehen, dass der Simulator das Potenzial hat, tiefgreifende neuromuskuläre Fähigkeiten zu trainieren, die sonst nur durch teure Trackdays erworben werden können.

Doch dieser Transfer ist kein Selbstläufer. Er birgt auch eine erhebliche Gefahr, die ich immer wieder bei Fahrern sehe, die ihre ersten Runden auf einem echten Kurs drehen. Die jahrelange Konditionierung auf einen „Reset-Knopf“ schafft eine Mentalität der Konsequenzlosigkeit, eine Art virtuelle Unsterblichkeit, die im echten Cockpit zu Fehleinschätzungen und unnötigen Risiken führt. Wenn man also den echten Wert des Simulators erschliessen will, muss man verstehen, was er wirklich kann – und was er nicht kann. Es geht darum, die Brücke zwischen virtueller und realer Physik bewusst zu überqueren.

Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden für genau diesen Transfer. Wir werden nicht nur die oberflächlichen Vorteile beleuchten, sondern tief in die Mechanismen eintauchen. Wir analysieren, wie das Muskelgedächtnis für Bremstechniken digital geformt wird, wie man mentale Ausdauer für ein 20-minütiges Rennen aufbaut und wie man die psychologischen Fallen vermeidet. Am Ende werden Sie genau wissen, wie Sie Ihr Simulator-Training in messbare Performance auf dem Asphalt umwandeln können.

Reifenphysik und Force Feedback: Was kann der Simulator simulieren und was fehlt (G-Kräfte)?

Das Herzstück jedes Simulators ist das Force Feedback (FFB). Seine Aufgabe ist es nicht, Ihnen die Arme auszureissen, sondern die Physik der Vorderreifen zu kommunizieren. Ein gutes FFB lässt Sie spüren, wann der Reifen an seine Haftgrenze kommt, wann er zu rutschen beginnt (Untersteuern) und wie sich die Gewichtsverteilung des Autos verändert. Dies ist die Feedback-Fidelität – die Genauigkeit, mit der das Lenkrad die Reifendaten übersetzt. Moderne Direct-Drive-Lenkräder sind hier entscheidend, denn sie verhindern sogenanntes „Clipping“. Wie das Fanatec-Team erklärt, ist Clipping die Sättigung des Signals, bei der das Lenkrad keine weiteren Kräfte mehr darstellen kann und wichtige Informationen über den Grip verloren gehen.

Die Simulation hat jedoch klare Grenzen. Was sie nicht nachbilden kann, sind die G-Kräfte, die auf Ihren Körper wirken. Im echten Rennauto spüren Sie die Beschleunigung im Sitz, das Bremsen in den Gurten und die seitliche Kompression in den Kurven. Dieses „Seat-of-the-pants-feeling“ ist ein entscheidender Informationskanal, der im Simulator fehlt. Zudem sind die reinen Lenkkräfte in der Realität oft höher, als viele denken. In der deutschen Sim-Racing-Community wird diskutiert, dass in echten Rennwagen Lenkkräfte von bis zu 50 kg in extremen Kurven auftreten können. Ein Simulator kann diese Spitzen nur bedingt nachbilden. Der Transfer liegt also darin, zu lernen, sich ausschliesslich auf die Informationen des FFB zu konzentrieren, um den Grip-Zustand zu interpretieren, anstatt auf die fehlenden G-Kräfte zu warten.

Trail-Braking lernen: Warum funktioniert das Muskelgedächtnis digital und real gleich?

Hier liegt der grösste und wertvollste Transfer vom Simulator in die Realität: die Programmierung des Muskelgedächtnisses für komplexe Techniken. Trail-Braking, also das Hineinbremsen in die Kurve, um die Front des Autos zu belasten und Untersteuern zu vermeiden, ist eine Kunst, die auf feinstem Bremsdruck-Gefühl basiert. Es geht nicht um den Pedalweg, sondern um den Druck, den Ihr Fuss ausübt. Genau hier spielt hochwertiges Sim-Equipment seine Stärken aus.

Der Schlüssel sind Load-Cell-Pedale. Im Gegensatz zu einfachen Potentiometer-Pedalen, die nur den Weg messen, misst eine Load-Cell den ausgeübten Druck. Wie technische Analysen zeigen, reproduzieren Load-Cell-Pedale konstanten Druck weitaus besser als die reine Pedalposition. Dies ermöglicht es Ihrem Gehirn, eine direkte Verbindung zwischen dem Druck Ihres Fusses und der Reaktion des Autos zu schaffen – genau wie in einem echten Rennwagen. Sie programmieren Ihr Muskelgedächtnis darauf, einen bestimmten Druck zu halten und ihn dann graduell zu lösen, anstatt einen bestimmten Pedalwinkel zu finden. Dieser Prozess ist in der Simulation und in der Realität identisch.

Telemetriedaten-Vergleich zwischen Sim-Racing und echtem Motorsport beim Trail Braking

Die Wirksamkeit dieser Methode ist keine Theorie. Ben Barker, professioneller Rennfahrer, hat dies eindrucksvoll demonstriert, wie eine Analyse zum Trail Braking auf dem Silverstone Circuit zeigt. Im Porsche 911 GT3 Cup bewies er, dass die im Simulator erlernte Technik direkt übertragbar war. Die Telemetriedaten zeigten eine identische Bremsdruckkurve: maximaler Druck, gefolgt von einem graduellen Lösen, das es ihm ermöglichte, die Bremse 23 Meter länger als bei herkömmlicher Technik einzusetzen und so mehr Geschwindigkeit in die Kurve mitzunehmen. Dies ist der Beweis, dass gezieltes Training am Simulator echte, messbare Rundenzeit-Vorteile bringt.

Wie hilft Sim-Racing dabei, eine 20-Minuten-Konzentrationsspanne aufzubauen?

Ein Sprintrennen bei einem Trackday dauert oft 15 bis 20 Minuten. In dieser Zeit nur eine einzige Runde die Konzentration zu verlieren, kann den Unterschied zwischen einer persönlichen Bestzeit und einem Abflug ins Kiesbett bedeuten. Diese Art von fokussierter mentaler Ausdauer ist eine Fähigkeit, die trainiert werden muss, und der Simulator ist das perfekte, kostengünstige Fitnessstudio dafür. Während im echten Auto jede Runde Benzin und Reifenverschleiss bedeutet, können Sie im Simulator stundenlang üben, ohne auf die Kosten zu achten.

Der Schlüssel liegt darin, das Training strukturiert anzugehen. Es geht nicht darum, ziellos Runden zu drehen. Es geht darum, echte Rennbedingungen zu simulieren, um das Gehirn unter Druck zu setzen. Ein 20-minütiger Stint ohne Fehler, ohne von der Strecke abzukommen und mit konstant schnellen Rundenzeiten ist eine enorme mentale Herausforderung. Sie lernen, Ihre Gedanken zu fokussieren, Ablenkungen auszublenden und auch bei nachlassender körperlicher Kraft präzise zu bleiben. Das ist die Konzentrations-Ausdauer, die Sie auf der echten Strecke brauchen.

Ein progressiver Trainingsplan kann dabei helfen, diese Fähigkeit systematisch aufzubauen. Anstatt direkt ein volles Rennen zu fahren, steigern Sie die Komplexität schrittweise:

  • Phase 1: Konstanz. Fahren Sie ein 20-minütiges Rennen, zum Beispiel in einem DTM-Auto auf dem Lausitzring, mit dem alleinigen Ziel, keinen einzigen Fehler zu machen.
  • Phase 2: Druck von hinten. Wiederholen Sie die Session, aber fügen Sie KI-Gegner hinzu, die Druck ausüben, um Ihre Fähigkeit zu testen, unter Beobachtung fehlerfrei zu bleiben.
  • Phase 3: Zweikämpfe. Erhöhen Sie die Dauer auf 30 Minuten und konzentrieren Sie sich auf Überholmanöver und das Verteidigen Ihrer Position.
  • Phase 4: Strategie. Fahren Sie eine 45-Minuten-Session, in der Sie zusätzlich Reifenmanagement und den Benzinverbrauch im Auge behalten müssen.

Durch diesen stufenweisen Aufbau gewöhnt sich Ihr Gehirn an die Belastung und die Dauer. Die 20 Minuten auf der echten Rennstrecke fühlen sich dann nicht mehr wie ein Marathon an, sondern wie ein gut trainierter Sprint.

Das Risiko der Unsterblichkeit: Warum Sim-Racer im echten Auto oft zu viel riskieren

Dies ist die psychologische Falle, in die fast jeder Sim-Racer bei seinem ersten Trackday tappt: die Falle der virtuellen Unsterblichkeit. Im Simulator hat ein Fehler keine Konsequenzen. Ein Crash? Drücken Sie „Escape“ und starten Sie neu. Ein Dreher? Kein Problem, die Reifen sind sofort wieder auf Temperatur. Diese jahrelange Konditionierung auf einen nicht vorhandenen Konsequenzmechanismus ist extrem gefährlich, wenn man in ein echtes Auto steigt. Diskussionen in deutschen Sim-Racing-Foren bestätigen, dass die Angst vor Unfällen in der Simulation praktisch auf NULL sinkt. Das Gehirn lernt: Risiko hat keinen Preis.

Auf der echten Rennstrecke ist das Gegenteil der Fall. Ein Abflug kann einen Schaden von mehreren tausend Euro bedeuten, von der eigenen körperlichen Unversehrtheit ganz zu schweigen. Kalte Reifen haben keinen Grip, überhitzte Bremsen versagen, und andere Fahrer machen Fehler. Als Instruktor sehe ich oft Sim-Racer, die in ihren ersten Runden viel zu aggressiv fahren. Sie versuchen, ihre Sim-Bestzeiten zu erreichen, bremsen zu spät und ignorieren die fundamental anderen physikalischen Gegebenheiten. Sie fahren, als gäbe es einen Reset-Knopf – den es aber nicht gibt.

Kontrastdarstellung zwischen risikofreiem Sim-Racing und echten Trackday-Gefahren

Der Transfer muss also auch im Kopf stattfinden. Man muss sich bewusst machen, dass die Realität andere Regeln hat. Der Respekt vor der Physik, dem Material und den anderen Teilnehmern muss an erster Stelle stehen. Die im Simulator erlernte Geschwindigkeit ist nur dann nützlich, wenn sie in einem sicheren Rahmen angewendet wird.

Ihre Checkliste für den ersten echten Trackday

  1. Geführte Runden absolvieren: Fahren Sie die ersten Runden unbedingt mit einem Instruktor. Dies ist bei vielen deutschen Veranstaltern ohnehin Pflicht und hilft, das Auto und die Strecke kennenzulernen.
  2. Mit 70% Pace beginnen: Starten Sie die ersten Stints mit maximal 70% Ihrer gefühlten Leistungsfähigkeit. Tasten Sie sich langsam an das Limit heran.
  3. Sim-Bestzeit ignorieren: Ihre Zeit aus dem Simulator ist irrelevant. Reale Physik, Wetter und Streckenbedingungen sind völlig anders. Setzen Sie sich nicht unter Druck.
  4. Kalte-Reifen-Phase beachten: Planen Sie mindestens zwei komplette Aufwärmrunden ein, bevor Sie das Tempo erhöhen. Kalte Reifen haben drastisch weniger Grip.
  5. Trackday-Versicherung abschliessen: In Deutschland ist eine spezielle Trackday-Versicherung unerlässlich, da die normale Kfz-Versicherung bei Fahrten auf Rennstrecken in der Regel nicht greift.

Rig vs. Trackday: Ab wann ist der Simulator günstiger als echte Reifen und Benzin?

Die finanzielle Frage ist für viele Hobby-Motorsportler entscheidend. Ein Trackday in Deutschland ist ein teures Vergnügen. Nenngelder, Reifenverschleiss, Bremsen, Benzin und eventuelle Versicherungen summieren sich schnell auf über 1.000 € pro Tag. Der Deutsche Sportfahrer Kreis (DSK) e.V. bietet zwar vergünstigte Trackdays an, aber selbst hier sind die Kosten erheblich. Ein hochwertiges Sim-Racing-Setup erscheint anfangs als grosse Investition, aber wann erreicht man den Kosten-Amortisationspunkt? Wann wird das Training zu Hause günstiger als die Runden auf der echten Strecke?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Kosten direkt vergleichen. Ein solides Setup mit einem Direct-Drive-Lenkrad, Load-Cell-Pedalen und einem stabilen Aluminium-Rig kostet schnell 3.500 € oder mehr. Das klingt nach viel Geld, aber setzen wir es in Relation zu den wiederkehrenden Kosten von Trackdays. Die Daten des DSK und anderer Veranstalter geben uns eine klare Grundlage für einen Vergleich.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse der Trackday-Kosten in Deutschland für 2024, zeigt, wie schnell sich die Investition in ein Sim-Rig rechnet.

Kostenvergleich Sim-Racing vs. Trackdays in Deutschland 2024
Kostenposition Sim-Racing Setup (einmalig) 5 Trackdays/Jahr
Grundausstattung/Nenngeld 3.500€ (Direct Drive + Rig) 4.000€ (800€ × 5)
Reifen 0€ 2.000€ (1 Satz Semi-Slicks)
Sprit Strom: ~50€/Jahr 500€
Versicherung 0€ 750€ Trackday-Versicherung
Verschleiss (Bremsen etc.) 0€ 1.500€
Gesamtkosten Jahr 1 3.550€ 8.750€
Kosten pro Fahrstunde ~7€ (bei 500h Nutzung) ~145€ (bei 60h Fahrzeit)

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bereits im ersten Jahr ist das Sim-Racing-Setup deutlich günstiger als die Teilnahme an nur fünf Trackdays. Betrachtet man die Kosten pro Fahrstunde, wird der Unterschied dramatisch. Der Simulator amortisiert sich also nicht erst nach mehreren Jahren, sondern oft schon innerhalb der ersten Saison. Er ersetzt nicht das Erlebnis eines echten Trackdays, aber er ist eine unschlagbar effiziente Methode, um Fahrzeit zu sammeln und Fähigkeiten zu entwickeln.

Der teure Irrtum bei Unfällen: Wann haften Sie als Radfahrer auch ohne direkte Schuld?

Auf den ersten Blick mag dieser Titel hier fehl am Platz wirken. Was hat die Haftung eines Radfahrers mit Sim-Racing zu tun? Die Antwort liegt in einer wichtigen Analogie aus dem deutschen Verkehrsrecht, die das grösste Risiko für Sim-Racer auf der echten Strecke perfekt beschreibt: die sogenannte Betriebsgefahr. Im deutschen Recht trägt jedes Fahrzeug, das am Verkehr teilnimmt, eine grundsätzliche, abstrakte Gefahr in sich. Selbst wenn ein Radfahrer einen Unfall nicht direkt verschuldet, kann ihm aufgrund dieser Betriebsgefahr eine Mithaftung zugesprochen werden, wenn er sich unvorhersehbar oder regelwidrig verhalten hat.

Übertragen wir dieses Prinzip auf den Trackday: Ein Sim-Racer, der frisch aus der Welt der „virtuellen Unsterblichkeit“ kommt, stellt eine erhöhte Betriebsgefahr dar. Sein Fahrstil mag für den Simulator normal sein, ist aber in der realen Welt unvorhersehbar. Er bremst vielleicht an Stellen, wo es niemand erwartet, weil er im Sim gelernt hat, eine Kurve auf eine bestimmte, unkonventionelle Weise zu meistern. Er fährt möglicherweise eine Kampflinie, ohne sich der realen Konsequenzen eines Kontakts bewusst zu sein. Er verhält sich wie ein Verkehrsteilnehmer, der die ungeschriebenen Gesetze und die defensive Denkweise ignoriert.

Auch wenn er keinen Unfall direkt verursacht, kann sein unberechenbares Verhalten andere Fahrer zu Ausweichmanövern zwingen, die ihrerseits zu Unfällen führen. In der Welt der Trackdays, wo oft gegenseitiges Vertrauen und Vorhersehbarkeit entscheidend für die Sicherheit sind, kann ein solcher Fahrer schnell als Risiko wahrgenommen werden. Der Trackday-Veranstalter könnte ihn von der Veranstaltung ausschliessen, oder schlimmer, im Falle eines Vorfalls könnte ihm eine moralische oder sogar finanzielle Mitverantwortung zugeschrieben werden. Der teure Irrtum liegt also in dem Glauben, dass man nur für die Unfälle haftet, die man direkt verursacht. In Wahrheit haftet man auch für die Gefahr, die man darstellt.

Warum sind Magnetbremsen leiser als Riemenantriebe und Luftwiderstand?

Auch dieser Titel scheint aus einer anderen Welt zu stammen – er bezieht sich auf die Technik von Heimtrainern. Doch die dahinterliegende Physik bietet eine perfekte Metapher, um den Qualitätsunterschied bei Sim-Racing-Pedalen zu verstehen. Es geht um das Verhältnis von Signal zu Rauschen. Eine Magnetbremse in einem Fitnessgerät erzeugt einen sanften, gleichmässigen und vor allem leisen Widerstand. Sie liefert ein klares, sauberes Signal an den Benutzer. Riemen- oder Luftwiderstandssysteme sind oft lauter und ungleichmässiger. Sie erzeugen „Rauschen“ – unerwünschte Nebengeräusche und Vibrationen, die das eigentliche Gefühl überlagern.

Übertragen auf Sim-Racing-Pedale ist die Magnetbremse das Äquivalent zu einem hochwertigen Load-Cell- oder Hydrauliksystem. Diese Systeme messen den Druck direkt und liefern ein sauberes, klares und wiederholbares Signal an die Simulation. Ihr Muskelgedächtnis erhält eine 1:1-Rückmeldung: Dieser Druck entspricht jener Bremswirkung. Es gibt kein „Rauschen“.

Günstige Potentiometer-Pedale sind hingegen wie ein Riemenantrieb. Sie messen nur den Pedalweg, nicht den Druck. Faktoren wie die Position des Fusses, die Abnutzung der Feder oder die Reibung im Mechanismus erzeugen „Rauschen“. Das Signal, das Ihr Gehirn empfängt, ist unsauber. Mal fühlt sich der gleiche Pedalweg wie eine stärkere Bremse an, mal wie eine schwächere. Das Muskelgedächtnis kann keine verlässliche Verbindung aufbauen. Die „Lautstärke“ des Riemenantriebs ist hier eine Metapher für die Ungenauigkeit und die Störfaktoren im System.

Warum ist das „leise“ System der Magnetbremse (oder der Load-Cell) überlegen? Weil es Ihrem Gehirn erlaubt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: den Bremsdruck. Es filtert das Rauschen heraus und ermöglicht eine präzise Kalibrierung Ihres wertvollsten Instruments – Ihres Fusses. Der Transfer auf die reale Welt funktioniert nur, wenn das Trainingsgerät ein klares, störungsfreies Signal liefert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Feedback-Grenzen: Force Feedback simuliert Reifengrip, nicht G-Kräfte. Lernen Sie, sich allein auf die Lenkrad-Informationen zu verlassen.
  • Muskelgedächtnis ist der Schlüssel: Der grösste Transfererfolg liegt im Erlernen von Bremstechniken mit druckbasierten Load-Cell-Pedalen.
  • Die mentale Falle: Die grösste Gefahr ist die „Reset-Knopf-Mentalität“. Fahren Sie im echten Auto immer mit Respekt und Sicherheitsmarge.

Gaming-Stuhl oder Bürostuhl: Was schützt Ihren Rücken bei 8 Stunden Sessions besser?

Die Frage, ob ein Gaming-Stuhl oder ein ergonomischer Bürostuhl besser für lange Sim-Racing-Sessions ist, geht am Kern des Problems vorbei. Die ehrliche Antwort als Instruktor lautet: Keiner von beiden. Beide sind Kompromisse, die für eine völlig andere Sitzhaltung und Krafteinwirkung konzipiert wurden. Das Treten eines Load-Cell-Bremspedals mit 50 kg oder mehr erzeugt enorme Kräfte, die ein rollender Bürostuhl niemals stabil aufnehmen kann. Ein Gaming-Stuhl mit seiner oft übertriebenen „Renn-Optik“ bietet selten die nötige feste Verbindung und korrekte Ergonomie.

Die einzig richtige Lösung für ernsthaftes Sim-Racing ist ein festes Sim-Rig mit einem echten Schalensitz. Der Grund dafür ist nicht nur die Stabilität, sondern vor allem die Ergonomie und die Kraftübertragung. Wie Sim-Racing-Experten betonen, verbessert eine korrekte Sitzposition in einem festen Rig nicht nur die Rückengesundheit, sondern auch das Muskelgedächtnis für die Pedale. Nur in einer festen, GT3-ähnlichen Sitzposition kann Ihr Körper die präzisen Druckimpulse verlässlich erlernen und wiederholen.

Eine korrekte Sitzposition in einem Alu-Rig verbessert nicht nur den Rücken, sondern auch das Muskelgedächtnis für die Bedienung der Pedale.

– SimRacing Ergonomie-Experten, aus Diskussionen in der deutschen Sim-Racing Community

Die korrekte Einrichtung dieser Sitzposition ist entscheidend, um stundenlange Sessions ohne Schmerzen zu überstehen und die bestmögliche Performance zu erzielen. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Sitzposition: Stellen Sie den Sitz so ein, dass Ihre Knie bei voll durchgetretenem Bremspedal noch leicht angewinkelt sind. Dies ermöglicht maximale Kraftübertragung.
  • Lenkradabstand: Bei ausgestreckten Armen sollten Ihre Handgelenke locker auf dem oberen Rand des Lenkradkranzes aufliegen.
  • Sitzneigung: Eine Lehnenneigung von etwa 100 bis 110 Grad ist ideal, um den Rücken zu stützen und gleichzeitig eine aktive Fahrposition zu ermöglichen.
  • Lordosenstütze: Nutzen Sie eine Lordosenstütze (oft ein kleines Kissen), um die natürliche S-Kurve Ihrer Wirbelsäule im unteren Rückenbereich zu unterstützen.

Ein Bürostuhl ist zum Arbeiten da. Ein Gaming-Stuhl ist ein Marketing-Produkt. Ein Sim-Rig ist ein Sportgerät. Für den erfolgreichen Transfer auf die Rennstrecke sollten Sie Ihr Training auch so behandeln.

Die Ergonomie ist die Basis für jede lange und erfolgreiche Session. Die Frage ist also nicht Gaming- oder Bürostuhl, sondern wie man die perfekte Sitzposition in einem dedizierten Rig einrichtet.

Jetzt, da Sie die Mechanismen, Chancen und Risiken des Transfers kennen, liegt der nächste Schritt bei Ihnen. Wenden Sie dieses Wissen an, analysieren Sie Ihr eigenes Training und identifizieren Sie, wo Sie vom reinen Streckenlernen zum gezielten Fähigkeitstraining übergehen können. Beginnen Sie noch heute damit, Ihren Simulator nicht nur als Spiel, sondern als ernsthaftes Trainingswerkzeug für Ihren nächsten Trackday zu nutzen.

Geschrieben von Stefan Müller, Outdoor-Experte, ehemaliger Elite-Amateur im Radsport und DSV-Skilehrer. Spezialist für Materialkunde, StVO-Recht für Radfahrer und Wintersport-Vorbereitung.