
Zusammenfassend:
- Der entscheidende Lärm ist nicht der Ton in der Luft, sondern die Vibration im Boden (Körperschall), besonders in Altbauten.
- Die Lösung ist ein System aus drei Teilen: ein Gerät mit Magnetbremse, die konsequente Entkopplung vom Boden und die strategische Platzierung im Raum.
- Rechtlich gesehen ist Sport in der Wohnung erlaubt, solange die Zimmerlautstärke eingehalten wird. Die Beweislast für eine Störung liegt beim Vermieter oder Nachbarn.
Der Wunsch nach Fitness in den eigenen vier Wänden kollidiert in Deutschland oft mit einer empfindlichen Realität: der hellhörigen Mietwohnung. Vor allem in Altbauten mit Holzbalkendecken scheint jeder Tritt, jede Bewegung direkt in die Nachbarwohnung übertragen zu werden. Die Sorge, durch das Training den Hausfrieden zu stören und einen Konflikt mit den Nachbarn oder dem Vermieter heraufzubeschwören, hält viele vom Kauf eines Hometrainers ab. Man recherchiert, liest von Bodenmatten und leisen Geräten, doch die Unsicherheit bleibt.
Die gängigen Ratschläge konzentrieren sich meist nur auf die Lautstärke des Gerätes selbst. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das eigentliche Problem, der unsichtbare Störenfried, ist der Körperschall – die Vibrationen, die sich über den Boden und die Wände ausbreiten. Dieser Leitfaden geht daher einen entscheidenden Schritt weiter. Wir betrachten das Problem nicht isoliert, sondern als Ganzes. Denn die wahre Lösung liegt nicht allein im Kauf des „leisesten“ Geräts, sondern in einem intelligenten System aus technischer Auswahl, physikalischer Entkopplung und akustisch kluger Positionierung.
Wir werden die physikalischen Prinzipien hinter der Lärmentstehung aufdecken, Ihnen praxiserprobte Methoden zur Vibrationsdämpfung an die Hand geben und die oft missverstandene Rechtslage in Deutschland klar einordnen. Ziel ist es, Ihnen die Werkzeuge zu geben, mit denen Sie Ihr Training sorgenfrei geniessen können – weil Sie wissen, dass Sie alles technisch und rechtlich Mögliche für ein gutes Nachbarschaftsverhältnis getan haben.
Dieser Artikel führt Sie systematisch durch alle Aspekte, die für ein nachbarfreundliches Training in Ihrer Mietwohnung entscheidend sind. Entdecken Sie, wie Sie Technologie, Physik und rechtliches Wissen zu Ihrem Vorteil nutzen.
Sommaire: Der Weg zum flüsterleisen Heimtraining in der Mietwohnung
- Warum sind Magnetbremsen leiser als Riemenantriebe und Luftwiderstand?
- Wie entkoppeln Sie Ihren Trainer vom Boden, damit der Nachbar unter Ihnen nichts hört?
- Darf Ihr Vermieter Sportgeräte in der Wohnung verbieten? Die rechtliche Lage
- Warum verstärkt die falsche Zimmerecke den Schall enorm?
- Rudergerät vs. Ergometer: Welches Cardio-Gerät erzeugt die wenigsten Dezibel?
- 20 Minuten Ganzkörpertraining: Reicht das für sichtbaren Muskelaufbau im Homeoffice?
- Asphalt oder Laufband-Ergometer: Was schont die Knie bei Übergewicht mehr?
- Darf Ihr Vermieter Sportgeräte in der Wohnung verbieten? Die rechtliche Lage
Warum sind Magnetbremsen leiser als Riemenantriebe und Luftwiderstand?
Die erste Entscheidung auf dem Weg zum leisen Heimtraining betrifft das Herzstück des Geräts: das Bremssystem. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn die Technologie bestimmt massgeblich den erzeugten Luftschall, also das Geräusch, das wir direkt im Raum hören. Es gibt drei gängige Systeme, deren Funktionsweise ihre Lautstärke direkt erklärt. Luftwiderstands- und Riemenbremssysteme basieren auf Reibung oder Luftverwirbelung, was unweigerlich zu Lärm führt. Ein Filzblock, der auf die Schwungscheibe drückt (Riemenantrieb), oder ein Ventilator, der gegen die Luft arbeitet, erzeugt ein lautes Rauschen oder Schleifen.
Im Gegensatz dazu arbeiten moderne Magnet- und Induktionsbremssysteme fast berührungslos. Bei einer Magnetbremse bewegen sich starke Magneten in der Nähe der metallenen Schwungmasse. Durch die Annäherung der Magneten entstehen Wirbelströme, die die Schwungmasse abbremsen – ganz ohne physischen Kontakt. Das einzige Geräusch, das entsteht, ist das leise Surren des Antriebsriemens, meist ein moderner Poly-V-Riemen, der ebenfalls auf minimale Geräuschentwicklung optimiert ist. Induktionsbremsen sind die Königsklasse und funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, erlauben aber eine noch präzisere und ebenfalls verschleiss- und geräuschfreie Widerstandssteuerung.
Die Ergebnisse sind messbar: Während Geräte mit Luftwiderstand leicht 60 bis 75 Dezibel (dB) erreichen können, was der Lautstärke eines Gesprächs oder eines Rasenmähers entspricht, erzielen moderne Ergometer mit Magnetbremse nur 38-40 dB. Das ist leiser als ein Kühlschrank und liegt deutlich unter der Schwelle der Zimmerlautstärke. Für eine Mietwohnung ist die Wahl eines Geräts mit Magnet- oder Induktionsbremse daher keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit, um den Luftschall von vornherein zu minimieren.
Wie entkoppeln Sie Ihren Trainer vom Boden, damit der Nachbar unter Ihnen nichts hört?
Selbst der leiseste Hometrainer mit Magnetbremse kann zur Lärmquelle werden, wenn er sein grösstes Geheimnis preisgibt: den Körperschall. Das sind die Vibrationen, die durch die Tretbewegung entstehen und sich vom Gerätestellfuss direkt auf den Boden übertragen. In einem hellhörigen Altbau mit Holzbalkendecke wirkt der Boden wie der Resonanzkörper einer Gitarre und leitet diese Vibrationen als dumpfes, störendes Wummern direkt in die Wohnung darunter. Eine einfache Fitnessmatte dämpft hier nur minimal. Die wahre Lösung ist die physikalische Entkopplung: die Schaffung einer Barriere, die die Schwingungsübertragung unterbricht.
Eine genial einfache und effektive DIY-Lösung ist die sogenannte „Tennisball-Plattform“. Wie Nutzer in Foren berichten, genügt es, halbierte Tennisbälle unter eine stabile Holzplatte zu legen, auf der der Trainer steht. Die flexible, luftgefüllte Gummistruktur der Bälle absorbiert die Vibrationen exzellent, bevor sie den Boden erreichen. Eine Alternative aus dem Baumarkt sind dicke Gummigranulat-Matten (mindestens 2 cm dick) oder spezielle Antivibrationsmatten für Waschmaschinen, die für genau diesen Zweck entwickelt wurden.
Praxisbeispiel: Die Tennisball-Plattform als DIY-Schallschutz
Ein Mieter in einem Altbau stand vor dem Problem, dass sein Nachbar unter ihm sich über dumpfe Geräusche beim abendlichen Training auf dem Ergometer beschwerte. Eine Standard-Yogamatte brachte keine Besserung. Inspiriert von Lösungen aus dem Hi-Fi-Bereich, baute er eine einfache Plattform: eine 18-mm-Multiplexplatte, unter deren Ecken und Mitte er insgesamt sechs halbierte Tennisbälle klebte. Der Hometrainer wurde auf dieser Plattform platziert. Das Ergebnis: Der Nachbar bestätigte, dass die Störgeräusche vollständig verschwunden waren. Die Vibrationen wurden effektiv von der Deckenkonstruktion entkoppelt.

Die Wahl der richtigen Entkopplungsmethode hängt auch von der Bausubstanz Ihrer Wohnung ab. Eine massive Stahlbetondecke in einem Neubau ist weitaus weniger anfällig für Körperschall als eine schwingende Holzbalkendecke.
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über empfohlene Lösungen, basierend auf einer Analyse für geräuscharmes Fitnesstraining in Mietwohnungen.
| Bausubstanz | Empfohlene Lösung | Zusatzmassnahmen |
|---|---|---|
| Altbau mit Holzbalkendecke | Tennisball-Plattform ODER dicke Gummigranulat-Matte (mind. 2cm) | Doppelte Bodenmatten übereinander |
| Neubau mit Stahlbetondecke | Hochwertige Schallschutzmatte | Möbel von den Wänden abrücken |
| Erdgeschoss | Standard PVC-Matte ausreichend | Türdichtungen für Schallschutz |
Darf Ihr Vermieter Sportgeräte in der Wohnung verbieten? Die rechtliche Lage
Die gute Nachricht vorweg: Ein generelles Verbot von Sportgeräten in der Mietwohnung durch den Vermieter ist in der Regel unzulässig. Die Nutzung der Wohnung für sportliche Aktivitäten gehört zum vertragsgemässen Gebrauch, solange sie nicht zu einer unzumutbaren Belästigung für andere Hausbewohner führt. Der entscheidende Massstab ist die Einhaltung der sogenannten Zimmerlautstärke. Auch wenn es keinen exakten, bundesweit einheitlichen Dezibel-Wert gibt, haben sich in der Rechtsprechung klare Richtwerte etabliert.
Als Orientierung gilt, dass Geräusche ausserhalb der Wohnung nicht oder kaum mehr als ein leises Säuseln wahrnehmbar sein dürfen. Gerichte ziehen hierfür oft konkrete Grenzwerte heran. Eine anerkannte juristische Quelle zeigt, dass die rechtlich anerkannte Zimmerlautstärke bei 40 dB tagsüber und 30 dB nachts liegt. Diese Werte beziehen sich auf das, was im Nachbarraum ankommt, nicht auf die Lautstärke direkt am Gerät. Ein modernes Ergometer, das selbst nur ca. 40 dB erzeugt, wird bei geschlossener Tür in der Nachbarwohnung weit unter dieser Schwelle liegen.
Zusätzlich zur Zimmerlautstärke müssen die in der Hausordnung festgelegten Ruhezeiten beachtet werden. Gesetzlich verankert ist die Nachtruhe von 22:00 bis 6:00 Uhr. Viele Hausordnungen sehen zusätzlich eine Mittagsruhe (oft von 13:00 bis 15:00 Uhr) sowie eine ganztägige Sonn- und Feiertagsruhe vor. Während dieser Zeiten sind Geräusche, die über die Zimmerlautstärke hinausgehen, strikt zu vermeiden. Ein intensives Training sollte daher immer ausserhalb dieser Schutzzeiten geplant werden.
Warum verstärkt die falsche Zimmerecke den Schall enorm?
Sie haben ein leises Gerät und eine perfekte Entkopplungsmatte – trotzdem gibt es Beschwerden? Der Grund könnte die Positionierung des Trainers im Raum sein. Viele stellen ihr Sportgerät aus Platzgründen intuitiv in eine Ecke. Akustisch gesehen ist das jedoch der denkbar schlechteste Ort. Wände und Ecken wirken wie ein Megafon für tieffrequente Geräusche, zu denen auch die Vibrationen eines Hometrainers gehören. Dieses Phänomen ist auf sogenannte Raummoden oder stehende Wellen zurückzuführen.
Tiefe Töne haben lange Wellenlängen. Treffen diese Schallwellen auf parallele Wände, werden sie reflektiert und können sich überlagern. In den Raumecken treffen sich die Reflexionen von zwei oder drei Wänden gleichzeitig, was zu einer erheblichen Verstärkung (bis zu +9 dB) des Schalldrucks in diesen Frequenzbereichen führt. Das leise, kaum hörbare Brummen des Trainers kann sich in einer Ecke in ein deutlich wahrnehmbares, unangenehmes Dröhnen verwandeln, das sich besonders gut über die Bausubstanz überträgt.
Die Lösung ist einfach: Rücken Sie den Trainer von den Wänden ab. Ein Mindestabstand von 50 cm bis 1 Meter zu allen Wänden ist ideal, um die Entstehung dieser stehenden Wellen zu minimieren. Die Platzierung möglichst mittig im Raum ist akustisch am besten, wenn auch praktisch oft schwierig. Als Kompromiss kann das Gerät vor einem grossen, gefüllten Bücherregal oder vor schweren Vorhängen platziert werden. Diese Elemente wirken als natürliche Schallabsorber und „zerstören“ die harten, reflektierenden Oberflächen, was die Schallausbreitung weiter reduziert.
Checkliste: Die akustisch optimale Positionierung
- Standort testen: Platzieren Sie den Trainer probeweise in einer Ecke und dann in der Raummitte. Bitten Sie eine zweite Person oder nutzen Sie eine Schallpegel-App, um den Lautstärkeunterschied ausserhalb des Raumes zu bewerten.
- Abstand halten: Positionieren Sie den Trainer mit einem Mindestabstand von 50-100 cm zu allen Wänden, um die Verstärkung durch Raummoden zu vermeiden.
- Schallbarrieren nutzen: Stellen Sie das Gerät vor weiche oder unregelmässige Oberflächen wie ein gefülltes Bücherregal, einen schweren Vorhang oder eine mit Stoff bespannte Wand.
- Schallbrücken kappen: Achten Sie darauf, dass keine Teile des Trainers (z.B. der Lenker) eine Wand berühren und so eine direkte Schallbrücke bilden.
- Umgebung optimieren: Ergänzen Sie den Raum mit Teppichen, Zimmerpflanzen und Polstermöbeln, um die allgemeine Raumakustik zu verbessern und Schallreflexionen zu reduzieren.
Rudergerät vs. Ergometer: Welches Cardio-Gerät erzeugt die wenigsten Dezibel?
Neben dem klassischen Fahrrad-Ergometer gibt es weitere beliebte Cardiogeräte für zu Hause, allen voran Rudergeräte und Crosstrainer. Doch wie schlagen sich diese im direkten Geräuschvergleich, insbesondere im Hinblick auf die Eignung für eine Mietwohnung? Die Antwort liegt auch hier wieder im verbauten Bremssystem und der Art der Bewegung.
Das klassische Fahrrad-Ergometer mit Magnetbremse ist und bleibt der unangefochtene Sieger in der Kategorie „Leisestes Gerät“. Die gleichmässige, runde Tretbewegung erzeugt kaum Körperschall, und das Bremssystem ist nahezu lautlos. Moderne Indoor Cycles, die ebenfalls auf Magnetbremsen setzen, sind eine gute Alternative. Messungen zeigen, dass moderne Indoor Cycles mit Magnetbremse maximal 43 Dezibel erreichen und damit absolut wohnungstauglich sind. Crosstrainer sind eine gute, ebenfalls sehr leise Alternative, da die Bewegung geführt und aufprallfrei ist.
Rudergeräte sind differenzierter zu betrachten. Modelle mit Luftwiderstand sind extrem laut und für Mietwohnungen ungeeignet. Wasser-Rudergeräte erzeugen ein angenehmes, aber dennoch deutlich hörbares Rauschen, das je nach Intensität 50-65 dB erreichen kann. Viel problematischer ist jedoch der Körperschall: Durch die ruckartige, impulsive Bewegung beim „Catch“ (dem Beginn des Ruderzugs) und das Rollen des Sitzes entstehen erhebliche Vibrationen, die eine sehr gute Entkopplung erfordern. Am leisesten sind Rudergeräte mit Magnet- oder Kombinationsbremsen, aber auch hier bleibt die Problematik des Bewegungsimpulses bestehen.
Eine Sonderstellung nehmen Direct-Drive-Trainer für Rennräder ein. Hier wird das Fahrrad ohne Hinterrad direkt auf den Trainer montiert. Diese Geräte sind mit 35-45 dB die absolut leiseste Option auf dem Markt, setzen aber den Besitz eines passenden Fahrrads voraus.
Die folgende Tabelle aus einem umfassenden Vergleich von Trainingsgeräten fasst die Geräuschemissionen der gängigsten Typen zusammen.
| Gerät | Lautstärke | Geräuschprofil | Eignung Ruhezeiten |
|---|---|---|---|
| Ergometer mit Magnetbremse | 40-55 dB | Monotones Summen | Sehr gut |
| Wasser-Rudergerät | 50-65 dB | Rauschen + Impulse | Bedingt |
| Luftwiderstand-Trainer | 60-75 dB | Hochfrequentes Heulen | Nicht geeignet |
| Direct-Drive Trainer | 35-45 dB | Fast lautlos | Optimal |
20 Minuten Ganzkörpertraining: Reicht das für sichtbaren Muskelaufbau im Homeoffice?
Die Frage nach der optimalen Trainingsdauer ist für Mieter nicht nur eine Frage der Effektivität, sondern auch der sozialen Verträglichkeit. Ist ein kurzes, intensives Training vielleicht besser für den Hausfrieden als eine lange, moderate Einheit? Aus akustischer Sicht ist die Antwort ein klares Ja. Dies führt zum Konzept des „Lärm-Budgets“.
Ein 90-minütiges Grundlagentraining auf dem Ergometer ist zwar leise, aber die konstante, wenn auch geringe Geräuschkulisse kann über einen langen Zeitraum für sensible Nachbarn zermürbend sein. Im Gegensatz dazu dauert ein 20-minütiges hochintensives Intervalltraining (HIIT) nur kurz an. Zwar können schnelle Bewegungen kurzzeitig lautere Geräuschspitzen erzeugen, die Störung ist jedoch zeitlich eng begrenzt und findet idealerweise ausserhalb der Ruhezeiten statt. Die Gesamtdauer der potenziellen Belästigung ist also deutlich geringer.
Aber ist ein so kurzes Training überhaupt wirksam? Die Sportwissenschaft bestätigt: Ja. 20 Minuten HIIT, drei- bis viermal pro Woche, können für den Muskelaufbau und die Verbesserung der Ausdauer genauso effektiv oder sogar effektiver sein als längere, moderate Einheiten. Der Schlüssel liegt in der hohen Intensität, die den Körper zwingt, sich anzupassen. Kombiniert man das HIIT auf dem Cardiogerät mit ebenso leisen Kraftübungen, erhält man ein hocheffizientes und nachbarschaftsfreundliches Ganzkörpertraining.
Checkliste: Nachbarschaftsfreundliches Krafttraining ohne Geräte
- Isometrische Übungen: Integrieren Sie Halteübungen wie Planks (Unterarmstütz), Wall-Sits (an die Wand gelehnt sitzen) und Glute Bridges (Beckenheben). Sie bauen enorme Spannung auf und sind absolut lautlos.
- Widerstandsbänder nutzen: Ersetzen Sie Hanteln durch Fitnessbänder. Sie ermöglichen ein progressives Krafttraining für alle Muskelgruppen, ohne jegliches Aufprall- oder Klappergeräusch.
- Langsame, kontrollierte Bewegungen: Führen Sie Übungen wie Kniebeugen oder Liegestütze bewusst langsam aus („Time under Tension“). Dies erhöht den Muskelreiz und vermeidet laute, schnelle Bewegungen.
- Yoga und Pilates: Ergänzen Sie Ihr Training mit Yoga oder Pilates. Diese Trainingsformen verbessern Kraft, Flexibilität und Körperkontrolle auf eine sehr leise und fliessende Weise.
- Keine Sprünge: Verzichten Sie auf Übungen wie Jumping Jacks (Hampelmänner) oder Burpees, da diese erheblichen Trittschall erzeugen und in einer Mietwohnung tabu sein sollten.
Asphalt oder Laufband-Ergometer: Was schont die Knie bei Übergewicht mehr?
Für viele, insbesondere für Menschen mit Übergewicht, ist die Gelenkschonung ein zentrales Kriterium bei der Wahl des Cardiogeräts. Laufen auf hartem Asphalt gilt als belastend, weshalb das Laufband oft als die bessere Alternative angesehen wird. In einer Mietwohnung ist ein Laufband jedoch aus akustischer Sicht die mit Abstand problematischste Wahl. Das monotone Aufprallgeräusch jedes Schrittes erzeugt massiven Tritt- und Körperschall, der selbst durch die besten Dämpfungsmassnahmen kaum vollständig zu eliminieren ist. Messungen zeigen, dass Laufbänder bei hohen Geschwindigkeiten bis zu 75 dB erreichen können – ein für Nachbarn unzumutbarer Wert.
Glücklicherweise gibt es hervorragende Alternativen, die sowohl extrem gelenkschonend als auch leise sind. Der Crosstrainer (oder Ellipsentrainer) und das Fahrrad-Ergometer sind hier die klaren Favoriten. Bei beiden Geräten findet die Bewegung geführt und ohne jeglichen Aufprall statt. Die Füsse bleiben konstant auf den Pedalen, wodurch die Stossbelastung für Knie, Hüfte und Wirbelsäule praktisch auf null reduziert wird. Dies macht sie zu idealen Trainingspartnern bei Übergewicht, Gelenkproblemen oder während der Rehabilitation nach Verletzungen.
Im Vergleich zum Laufen im Freien bieten diese Geräte zudem eine kontrollierte Umgebung, in der Widerstand und Intensität präzise an das eigene Fitnesslevel angepasst werden können. Während das Laufen auf Asphalt eine Stossbelastung des Zwei- bis Dreifachen des Körpergewichts auf die Gelenke ausübt, entfällt diese beim Ergometer- oder Crosstrainer-Training komplett. Für Mieter ist die Entscheidung daher eindeutig: Wer seine Gelenke schonen und gleichzeitig den Hausfrieden wahren will, sollte auf ein Laufband verzichten und stattdessen in einen hochwertigen Crosstrainer oder ein Fahrrad-Ergometer investieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Hauptproblem ist nicht der hörbare Lärm (Luftschall), sondern die Vibration im Boden (Körperschall).
- Ein System aus leisestem Gerät (Magnetbremse), konsequenter Entkopplung (z.B. Tennisball-Plattform) und korrekter Positionierung (weg von Ecken) ist entscheidend.
- Rechtlich sind Sie auf der sicheren Seite, solange Sie die Zimmerlautstärke und Ruhezeiten einhalten. Die Beweislast liegt beim Beschwerdeführer.
Darf Ihr Vermieter Sportgeräte in der Wohnung verbieten? Die rechtliche Lage
Was passiert, wenn es trotz aller Vorsichtsmassnahmen zu einer Beschwerde kommt? Hier ist es entscheidend, die eigenen Rechte und die Pflichten der Gegenseite zu kennen. Ein zentraler Punkt im deutschen Mietrecht ist die Beweislast. Nicht Sie müssen beweisen, dass Sie leise sind, sondern derjenige, der sich gestört fühlt (der Nachbar oder der Vermieter), muss nachweisen, dass von Ihrer Wohnung eine unzumutbare Lärmbelästigung ausgeht. Dieser Nachweis ist in der Praxis oft sehr schwer zu erbringen.
Der Beschwerdeführer müsste ein detailliertes Lärmprotokoll führen und im Streitfall durch Zeugen oder sogar teure Schallpegelmessungen belegen, dass die Geräusche tatsächlich aus Ihrer Wohnung stammen und die Grenzen der Zimmerlautstärke überschreiten. Eine rein subjektive Empfindung reicht vor Gericht nicht aus. Ein Urteil des Landgerichts Berlin II unterstreicht diese hohe Hürde für Kläger deutlich.
Es oblag den Klägern, zu beweisen, dass der Lärm tatsächlich aus der Wohnung der Beklagten kam. Diese Beweisführung sei jedoch nicht gelungen.
– Landgericht Berlin II, Urteil vom 18.06.2024
Eine Abmahnung oder gar eine Kündigung wegen der Nutzung eines Hometrainers ist daher nur in extremen und nachweisbaren Fällen von rücksichtslosem Verhalten denkbar. Wenn Sie ein leises Gerät nutzen, dieses vom Boden entkoppeln, es korrekt positionieren und die Ruhezeiten einhalten, haben Sie rechtlich eine sehr starke Position. Sollte es dennoch zu einer Beschwerde kommen, suchen Sie das Gespräch, erklären Sie Ihre umfassenden Lärmschutzmassnahmen und demonstrieren Sie die geringe Lautstärke. Diese proaktive und transparente Kommunikation ist oft der beste Weg, um einen Rechtsstreit von vornherein zu vermeiden.
Nachdem Sie nun mit dem kompletten Wissen über Technik, Physik und Recht ausgestattet sind, besteht der nächste logische Schritt darin, diese Prinzipien auf Ihre persönliche Wohnsituation anzuwenden und das für Sie optimale System zusammenzustellen.
Häufige Fragen zu Hometrainern in der Mietwohnung
Kann mir wegen eines Hometrainers gekündigt werden?
Eine Kündigung ist nur bei nachweislicher erheblicher Störung des Hausfriedens möglich. Der Vermieter muss beweisen, dass der Lärm tatsächlich von Ihrem Gerät stammt und unzumutbar ist. Bei Einhaltung der hier beschriebenen Massnahmen ist dies extrem unwahrscheinlich.
Welche Ruhezeiten muss ich einhalten?
Gesetzlich gilt in Deutschland die Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr. Zusätzliche Ruhezeiten, wie eine Mittagsruhe (z.B. 13-15 Uhr) oder eine erweiterte Sonntagsruhe, können in Ihrer Hausordnung festgelegt sein und sind ebenfalls verbindlich.
Was passiert bei wiederholten Beschwerden?
Im Falle einer berechtigten und nachgewiesenen Ruhestörung erfolgt zunächst in der Regel eine Abmahnung durch den Vermieter. Sollte das störende Verhalten fortgesetzt werden, kann dies im Extremfall als Ordnungswidrigkeit gelten und mit einem Bussgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet werden.